JAKOB GLIBER, Bildhauer und fahrender Sänger - mein Urgroßonkel


Skulpturen am Naturhistorischen Museum Wien


Ernst Juch, Portrait J. Gliber
Ernst Juch, Portrait J. Gliber

Prof. Mag. Klaus Lukasser, Ainet in Osttirol, hat sich in jahrelangen Recherchen des Bildhauers und Fahrenden Sängers angenommen, die Archive im In- und Ausland durchstöbert und ist dabei auf zahllose interessante Informationen über Leben und Werk Jakob Glibers gestoßen. 


ÖSTERREICHISCHES BIOGRAPHISCHES LEXIKON SEIT 2018

Gliber Jakob, 1825 - 1917

Die Immaculata von Gliber aus Birnbaumholz, mit der er sich um ein Stipendium für eine Italienreise bewarb.

 

Im Besitz der Pfarre Ainet.

 

ERNST JUCH, Porträtbüste von J. Gliber

Der Wiener Künstler Ernst Juch war eng mit Gliber befreundet.

"Trauernde, betende Römerin"

1869-70, während der Itlalienreise Jakob Glibers



Viele Jahre seines Lebens verbrachte der Künstler im Stift Admont, wo  er im Auftrag des Stiftes den KREUZALTAR, den KREUZWEG, sowie eine Reihe weiterer Skulpturen schuf.

Das Portrait-Relief von Ernst Juch, das Gliber bei der Arbeit an einer Madonna zeigt. Es war ursprünglich in Leisach am alten Schwingerhaus, das Gliber nach seiner Rückkehr nach Osttirol 22 Jahre lang (1892 bis 1914) bewohnte. Eine Replik davon kommt auf den Kirchplatz.

 

 

 

DIE ENGEL in der Pfarrkirche Buchkirchen in Oberösterreich


Auch in der Wiener Votivkirche kann man Glibers Arbeit finden.

 

Nähere Informationen demnächst!


Er muss ein be­son­de­rer Mann ge­we­sen sein, der bär­ti­ge Bild­hau­er und Mu­si­ker aus Ainet. Jakob Gli­ber war ein Aus­nah­me­kön­ner, ein Krea­ti­ver mit vie­len Ta­len­ten, die er auch ent­fal­te­te – und das in kar­gen Zei­ten. Gli­ber wurde am 15. Sep­tem­ber 1825 als neun­tes von 15 Kin­dern des Jo­hann Gli­ber und sei­ner Frau He­le­na, geb. Jes­ter, ge­bo­ren.

Nach ar­beits- und ent­beh­rungs­rei­chen Kin­der- und Ju­gend­jah­ren und zehn Jah­ren als so­ge­nann­ter „Not­leh­rer“ in Alkus stu­dier­te Jakob in Mün­chen. Den ers­ten Weg in die Bay­ern­me­tro­po­le ging er zu Fuß, sechs Tage lang!

Das Ta­lent des jun­gen Künst­lers fiel einem an­de­ren, da­mals schon eta­blier­ten Ost­ti­ro­ler Künst­ler auf, dem in Prägra­ten ge­bo­re­nen Bild­hau­er Josef Gas­ser. Er holte Gli­ber nach Wien, wo er am fi­gu­ra­len Schmuck von Vo­tiv­kir­che, Na­tur­his­to­ri­schem Mu­se­um und der Staats­oper mit­ar­bei­te­te und sich so einen Namen mach­te. In zwei Ar­beits­pe­ri­oden in Ad­mont schuf Jakob Gli­ber für die dor­ti­ge Stifts­kir­che unter an­de­rem die Sta­tue des Hl. Bla­si­us, die Pas­si­ons­grup­pe für den Kreu­zal­tar und die Kreuz­weg­sta­tio­nen. Die Gips­mo­del­le die­ser Skulp­tu­ren kann man in der Ai­ne­ter Pfarr­kir­che be­wun­dern.

https://cdn.dolomitenstadt.at/wp-content/uploads/2017/02/jakob-gliber-autogrammkarte-662x1024.jpgJakob Gli­ber war als Bild­hau­er und als Sän­ger er­folg­reich. Es gab sogar Au­to­gramm­kar­ten des Mu­si­kers.

Gli­ber war aber nicht nur ein an­er­kann­ter Bild­hau­er, son­dern auch ein pro­fun­der Mu­si­ker und Sän­ger. In Wien sang er beim Schu­bert­bund und im Wie­ner Sän­ger­bund. 1892 kehr­te er nach Ost­ti­rol zu­rück und wurde ein eif­ri­ges und um­ju­bel­tes Mit­glied des Li­en­zer Sän­ger­bun­des. Gli­ber lebte und ar­bei­te­te 21 Jahre lang in Lei­sach, bevor er 1914 – als fast Neun­zig­jäh­ri­ger – wie­der in sein El­tern­haus über­sie­del­te, zum „Kir­cher“ nach Ainet, wo er seine letz­ten drei Le­bens­jah­re ver­brach­te. Dort er­hielt er am 4. Mai 1914 für seine Ver­diens­te auch die Eh­ren­mit­glied­schaft des Sän­ger­bun­des.

Ein Foto davon fin­det sich in Mein­rad Piz­zi­ni­nis „Buch der Stadt Lienz“. „Im klei­nen rück­wär­ti­gen Saale beim Schnee­ber­ger (Anm.: heute Gast­hof „Satt­ler“) fand sich kurz dar­auf die ganze Ge­sell­schaft mit ihrem jüngs­ten Eh­ren­mit­glie­de zu­sam­men, um noch ei­ni­ge Stun­den ver­gnügt durch Sang und Be­cher­klang im fröh­li­chen Ver­ei­ne zu ver­brin­gen“, be­rich­te­te die Li­en­zer Zei­tung am 5. Mai 1914 dar­über. https://cdn.dolomitenstadt.at/wp-content/uploads/2017/02/jakob-gliber-ehrenmitglied-saengerbund-1914-710x474.jpgIm heu­ti­gen Gast­hof „Satt­ler“ wurde 1914 die Eh­ren­mit­glied­schaft Jakob Gli­bers beim Li­en­zer Sän­ger­bund ge­fei­ert. Foto: Chro­nik Ainet

Nach den bei­den ver­hee­ren­den Brän­den in Ainet, 1899 und 1903, sam­mel­te Jakob Gli­ber auf sei­nen zahl­rei­chen Sän­ger­fahr­ten un­er­müd­lich für den Wie­der­auf­bau des Dor­fes und die „Wie­der­be­le­bung des Volks- und Chor­ge­san­ges“, wie es in den zeit­ge­nös­si­schen Zei­tun­gen hieß. Der Künst­ler starb am 1. Fe­bru­ar 1917 in sei­nem El­tern­haus in Ainet.