PRIVATMUSEUM Dr. STEVEN HERZLINGER


MEINE GEDANKEN ZUR AUSSTELLUNG IN STEYR, SCHLOSS LAMBERG, 2026 - Michael Unterluggauer

1 Stellen wir uns einmal Folgendes vor: Man sitzt gemütlich am Frühstückstisch, steht auf – und zack – der kleine Zeh stößt schmerzhaft am Tischbein an.  Das war patschert.
Das war unachtsam.   
Achtsam wäre gewesen: besser aufpassen  vorsichtig aufstehen, einfach achtsamer sein mit sich und seinem Körper.
Und um dieses Thema geht es heute auch., liebe Damen und Herren, die ihr heute beschlossen habt sich freiwillig in einen Raum voller Bilder zu begeben, um die ACHTSAMKEIT.


2 Ein großes Wort. Ein schönes Wort.
Ein Wort, das man gerne in Yoga-Studios hört, während man versucht, nicht umzufallen.
Ein Wort, das klingt, als würde es barfuß durch den Wald gehen, tief atmen  und danach Kräutertee trinken.

Was ist Achtsamkeit? Darf ich Ihnen mitteilen, wie ich sie empfinde?
Ich sag’s lieber praktisch, so, wie ich es mir denke:
Für mich bedeutet Achtsamkeit: Auf mich und andere aufzupassen.
Die Welt ein bisschen genauer wahrzunehmen, die Natur, den Wald genießen, sich berühren zu lassen –von einem lieben Menschen, von einem Gedanken, von einer besonderen Situation, von einem Musikstück, von meinem Hund. Oder von einem Kunstwerk.
Achtsamkeit verändert die Welt. Achtsamkeit verändert die Welt nicht laut.
Sie macht keine Schlagzeilen. Aber sie macht die Welt ein bisschen friedlicher, wärmer, menschlicher und damit lebenswerter.
Und das ist ja schon mehr, als viele Filme, Zeitungsberichte oder Talkshows zusammenbringen.


3 Über die Bilder
Liebe Besucher,  ich möchte Sie davor bewahren, dass ich Ihnen die Bilder erkläre.
Das wäre ungefähr so, als würde man jemandem erklären, wie man ein IKEA-Regal ohne Fluchen zusammenbaut – es ist theoretisch möglich, aber praktisch… schwierig.

Jedes Bild trägt etwas Persönliches in sich.
Aber statt zu erklären, möchte ich Sie einladen: Schauen Sie. Spüren Sie.
Wenn wir uns hier im Raum umsehen, könnte man meinen, wir sehen alle dasselbe.
Tun wir aber nicht.

Wir tragen alle unsere eigene Geschichte mit uns herum – unsere Erfahrungen, Hoffnungen, Missgeschicke, Erfolge, Familiengeschichten

Vielleicht sehen wir die Welt ja gar nicht so, wie sie ist, sondern so, wie wir sind.
Und vielleicht gilt das auch für diese Bilder, dass wir sie nicht sehen, wie sie sind, sondern wie wir sind …

Wenn Sie bei einem Bild ein gutes Gefühl haben – dann ist Achtsamkeit da.
Und dann hat das Bild etwas geschafft, was Worte manchmal nicht zusammen bringen. Und wenn die aufgewendete Energie positiv geladen war, dann strahlt sie dies im Werk aus und macht die Welt ein kleines bisschen besser.

Meine Meinung ist, dass sich die aufgewendete Energie im Malprozess in der Leinwand speichert und diese dann später auch – spürbar - ausstrahlt.
Spätestens seit Dr. Anton Zeilinger ist durch seine Arbeit mit der Quantenverschränkung auch wissenschaftlich bewiesen, dass es die Feinstofflichkeit gibt, dass das Denken Materie beeinflusst, wenn nicht gar produziert.
Ebenso zeigt uns der Japaner EMOTO, wie sich Wasserteilchen je nach Denkweise verändern, unglaublich.
Und schon Buddha war der Meinung, dass unser jetziger Zustand das Ergebnis unserer Gedanken ist – auf gut mühlviertlerisch würde das heißen: „Was denkst, kummt.“


4. Persönlicher Text: Gerne möchte ich Ihnen mitteilen, was so in meinem Kopf herumspukt.

 „Das Leben ist für mich nichts anderes als eine ununterbrochene Kettenreaktion
von seelischen, körperlichen und geistigen Begegnungen. Begegnungen im Sekundentakt — mit Menschen, mit unterschiedlichen Situationen, mit Herausforderungen, mit Angst- und Glückszuständen.

Diese Abfolge beginnt mit dem ersten Blick auf die Welt (in Wirklichkeit schon viel früher …) und endet mit einem letzten Erlebnis, der Trennung von unserem Körper, das bis heute noch nicht wissenschaftlich erklärbar ist.

Ich bin überzeugt:
Unser augenblickliches Befinden ist die Summe all dieser Begegnungen —
ihrer Qualität, ihrer Intensität und der Erkenntnisse, die wir aus ihnen ziehen.

Jede Berührung, jedes Aufeinandertreffen, ob sichtbar oder unscheinbar,
schreibt sich in unser inneres Lebenstagebuch ein.

Das Unbewusste entscheidet, welche Spuren bleiben. Und es liegt an uns, diese Spuren so aufzuarbeiten, dass sie unsere Gegenwart und unsere Zukunft bereichern.

Als Maler versuche ich seit jeher, genau diese Prozesse sichtbar zu machen.
Meine Bilder sind der Versuch, Begegnungen zu verarbeiten —
die heilsamen ebenso wie die schmerzhaften.

Denn die Art und Weise, wie wir die Erfahrungen in uns aufnehmen, entscheidet über unsere innere Haltung zum Leben.
Jedenfalls gilt das einmal ganz sicher für mich.“

5. BLICK AUF DAS WELTGESCHEHEN 
„Das Weltgeschehen zeigt uns derzeit (aber auch in der Vergangenheit) auf dramatische Weise, was geschieht, wenn eine achtsame, lebensbejahende Aufarbeitung von Grenzüberschreitungen ausbleibt.

Wir erleben, wie die Sprache verroht. Sprache ist das, wie wir denken und fühlen. Und man muss achtsam damit umgehen, denn wenn etwas gesagt ist, lässt es sich nicht mehr leicht zurückholen. Schiller: „Kaum war ihm das Wort entfahren, wollt` er`s gern im Mund bewahren.“

Wir erleben auch, wie Denken sich verhärtet, wie man belächelt wird, wenn man Positives in den Mittelpunkt stellt, ganz einfach, wenn Achtsamkeit nicht mehr als Grundhaltung, sondern als Luxus betrachtet wird.

Gerade deshalb erwarte ich mir von Entscheidungsträgern ein achtsames, wertschätzendes Vorangehen, weil wir wissen: Der Mensch lernt am stärksten durch Nachahmung. Wenn wir Veränderung wollen, müssen diejenigen, die Verantwortung tragen, vorangehen —in der Politik, in den verschiedenen Religionen, in der Schule, im ganzen Bildungssystem mit seinen Lehrplänen (warum nicht Unterrichtsgegenstand GLÜCK?), ganz besonders in der übergroßen Medienlandschaft, im medizinischen Bereich, und nicht zuletzt bei uns selbst in der Rolle als Eltern, Großeltern, …

Es ist an der Zeit, die Chance zu ergreifen: die Chance auf eine neue Sprache, ein neues Denken, ein neues Handeln.

Eine Kultur der Achtsamkeit beginnt immer beim Vorbild,
und das können und sollen auch wir sein.“


6. Persönliche Note

Und falls Sie sich jetzt denken: „Wow, in seinem Kopf ist ja ordentlich Betrieb“ – ja, stimmt. Ich war immer neugierig. Deshalb male ich. Das ist meine Art, Staus aufzulösen.
Andere machen Yoga, laufen Marathons, spielen Instrumente, meditieren,  …
Ich mache Pinselstriche.   Und mein kleiner Zeh sagt dann: danke.


7. Einladung zum Austausch

Und jetzt freue ich mich auf Ihre Gedanken.
Und wenn Sie möchten, sprechen Sie mich bitte gerne an.

Vielleicht kommen wir ins Gespräch, vielleicht entsteht ein Austausch,
vielleicht bleibt es bei einem stillen Eindruck.

Beides ist richtig. Beides ist für mich in Ordnung.
Und beides ist –ganz im Sinne des Abends – achtsam.


8. Abschluss

 

Ich freue mich, dass Sie mir zugehört haben.
Vielen Dank.




Gedichte zu meinen Arbeiten - ALEXANDER LEGNITI