GRENZÜBERSCHREITUNG
GRENZÜBERSCHREITUNG

„Leben geschieht durch etwas noch nie Erforschtes, nie wirklich Erforschbare. Einen kleinen Funken dessen in die Kunst zu transportieren ist das Eigentliche, nicht Erlernbare und kann - in glücklichen Stunden - nur durch das völlig Unbewusste bruchstückhaft geschehen.“

 

M.U.

… Ja, eine ganze Menge von Themen beschäftigt uns. Und mir geht es natürlich gleich wie Ihnen: Zeitgeistige Themen sind es auch, die ich bestrebt bin – als künstlerisch Tätiger - zu bearbeiten, aktuelle Themen, die zeitlos sind.

 

Vielleicht dreht  sich auch zu viel um das logische Denken, das im Grunde gut und sinnvoll ist: Die linke Gehirnhälfte hat ihren Siegeszug angetreten und in weiten Bereichen schon gewonnen. Zum Teil berechtigt: Was geht denn über den gesunden Hausverstand, die „untrügliche“ Wissenschaft?

Wird aber nicht das Wahrnehmen damit zum Stiefkind unserer Zivilisation?  Natürliche Reflexe, intuitives Handeln geraten damit auf die Verliererstraße. Und das ist schade, denn genau hier spielt sich der wesentliche Teil unseres Lebens unbewusst ab: Wahrnehmen ist nämlich Kunst!

Wenn ich ein Bild konzipiere, fällt mir oft ein Ausspruch des großartigen Max Beckmann ein:

 

Die Kunst ist verflucht schwer. Wenn man abends bei einer Flasche Wein sitzt, meint man, es müsse wie von selber gehen. Am nächsten Morgen, nüchtern vor der großen weißen Leinwand, die Sachen wieder aus dem Nichts zu holen, da ist einem ganz anders zumute.

 

So ist es wirklich. Oft tausend Gedanken im Kopf, wie kann ich sie zu einem vernünftigen Ganzen fügen? Dann wieder Gemütsschwankungen, möchte die Arbeit hinschmeißen, aufstehen, joggen laufen gehen: Dann stellt sich die berechtigte Frage: Wann ist der Gehpunkt?

 

Manchmal ist es möglich, dass man Bilder schafft, die lebensvoll, gefühlsbetont, hautnah, scharf, verwirrend, aufrüttelnd, aktuell, zeitlos, berührend sind, vor allem dann, wenn ich mit großer Lust und Leidenschaft ans Werk gehe, der Puls liegt jenseits der 130-er Grenze, das Atelier, mein Gewand, die Hände, mein Gesicht – ein Meer von Farben. Diese Lebensfreude möchte ich aber dann auch in der Ausstrahlung meiner Arbeiten spüren, denn durch positive Lebenseinstellung lässt sich`s bekanntlich besser leben.

 

 

Die Kunsthistorikerin Eleonora Bliem-Scolari hat mich in der Beschreibung meiner künstlerischen Tätigkeit wiederholt persönlich zitiert. Hier ein kleiner Teil meines Denkens zum Abschluss:

 

BEGEGNEN
BEGEGNEN

„Das Leben ist nichts anderes als eine Kettenreaktion von seelischen, körperlichen, geistigen Begegnungen im Sekundentakt (Begegnungen mit Menschen, Situationen, Problemen,  Angst- und Glückszuständen, …), beginnend mit dem ersten Blick auf diese Welt und endend mit einem Erlebnis, das keine Wissenschaft noch wirklich durchschaut hat.

Somit ist für mich klar, und das versuche ich auch in meinen Bildern seit jeher zu transportieren: Das augenblickliche Befinden des Menschen entspricht der Summe von Begegnungen unterschiedlicher Qualität und Intensität und den daraus resultierenden Erkenntnissen.

Jedes  Aufeinandertreffen schreibt sich – nach Ermessen des Unbewussten – in das Lebenstagebuch und hinterlässt Spuren, deren anzustrebende lebensbejahende Aufarbeitung Gegenwart und Zukunft des Individuums bereichern. Qualität und Intensität diverser Erfahrungen sind ursächlich entscheidend für die Befindlichkeit des Menschen - ganz sicher aber für mich. Als Maler bin ich bestrebt diese Erkenntnisse in meinen Bildern zu verarbeiten.“

 

Das aktuelle Weltgeschehen führt uns das weitgehende Scheitern einer lebensbejahenden Aufarbeitung laufender Grenzüberschreitungen in jedweder Form vor Augen.

Ich erwarte mir das achtsame, wertschätzende Vorangehen von Entscheidungsträgern, schließlich lernt der Mensch ja am nachhaltigsten durch Nachahmung. Also gilt es die Chance auf eine positive Veränderung der Sprache, des Denkens, des Handelns zu nutzen, und zwar als Vorbild in Politik, Religion, Schule, Medien …!

 

 

Michael Unterluggauer


Michael Unterluggauer