MICHAEL UNTERLUGGAUER

Familienstand: verheiratet seit 1977, zwei Töchter, vier Enkelkinder

Geburtsdatum: 12. Nov. 1953

Geburtsort: Lienz

Eltern: Alois Unterluggauer (+ 1971) und Maria (+ 1973)

 

Seit nunmehr mehr als vierzig Jahren künstlerisch tätig, rege Ausstellungstätigkeit vor allem in Österreich, aber auch in Italien und der Schweiz. Zusammenarbeit mit verschiedenen Galerien; Bilder in privatem und öffentlichem Besitz. 

 

GALERIE WIMMER WELS  - 15. April  2018

LAbg. HR Dr. Peter CSAR – Laudatio

Paul Klee hat gesagt, Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar. Das bedeutet, da sieht man etwas hinter dem Bild, was unmittelbar vorgestellt wird und abgebildet wird und es wird damit etwas transportiert.  Malerei und Kunst beginnen immer dort, wo Worte nicht reichen können und Gedanken und Ideen verbildlicht werden. Das sehen wir mit dem Künstler Michael Unterluggauer, den ich heute vorstellen darf.

Der Name sagt schon einiges aus, er ist kein Oberösterreicher, Unterluggauer kommt aus Lienz, er ist Sohn eines Lienzer Landwirtes und Schuhmachermeisters, verheiratet, Vater von zwei Kindern und Großvater von vier Enkeln und ist gelernter Lehrer. Vor ein paar Jahren hat er seine Zelte in Osttirol abgerissen, ist übersiedelt, hat seine Heimat verlassen um nach Oberösterreich zu übersiedeln, ins Mühlviertel. Eine Art Familienzusammenführung mit Tochter, Schwiegersohn und Enkelkindern. Ich war bei ihm in Engerwitzdorf zu Gast, da hat er mir seine Enkeln vorgestellt, seine Augen haben geleuchtet und er hat gemeint, das sei wie sich zu verlieben. Das zeigt schon viel vom Künstler, zeigt seine Emotionen: Ein Familienmensch und äußerst gefühlsbetont .
Es ist nicht einfach nach einem langen Lebensweg seine Heimat zu verlassen, alles niederreißt, alles verkauft und dann übersiedelt. Der Grund ist offensichtlich. Ein Osttiroler übersiedelt ins Mühlviertel, nicht einfach, aber es hat bestens funktioniert, ich gratuliere. Das spricht für den Künstler und seine Familie, er ist ein leutseliger Mensch und kann auch wieder wurzeln.

Von Beruf war Michael Unterluggauer Hauptschullehrer und die letzten sechs Jahre Volksschuldirektor. Er hat den Beruf geliebt, er hat sich mit Menschen, mit Kindern gerne auseinander gesetzt .  Er hat den Dialog gepflegt und daraus auch Kraft geschöpft, er hat Werte vermittelt, was ihm besonders wichtig ist, er hat Beziehungen gepflegt, diese beobachtet und daraus gelernt.

Lehrer sein ist die eine Seite, es gibt aber seit jeher auch eine andere Seite des Lebens von Michael Unterluggauer. Und dies ist das Malen, die Kunst. Seit mehr als vierzig Jahren betreibt er die Malerei ernsthaft. Das drückt sich in seinen Farben, seinen, Kompositionen seinen Botschaften aus. Aus jeder Begegnung mit Menschen nimmt er Sinneseindrücke auf, diese werden dann vielfach in Bilder umgesetzt.
Diese Botschaften sind für ihn in erster Linie positiv besetzt und, wissend um das Negative in der Welt, möchte er dies mit seinen Mitteln anprangern. Er ist ein offener, weltaufgeschlossener Mensch, ein kommunikativer Mensch, sehr direkt, sehr wertschätzend in der Kommunikation und legt besonderen Wert auf die Sprache. Er wendet sich ausdrücklich gegen die Verrohung der Sprache und versucht die Botschaften seines Gegenübers zu erkennen. Wichtig sind ihm Ehrlichkeit, Achtsamkeit, Aufrichtigkeit, die Lüge darf nicht gesellschaftsfähig werden.  Und das drückt sich auch in seinen Bildern aus, in welchen er seine Gedanken vermitteln, Lebenswerte weitergeben will, die ihm wichtig erscheinen: Glück, Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, Familie und Respekt. Seine Bilder sollen Kraft ausstrahlen, das positive Handeln soll den Betrachter beeinflussen und Lebenssinn und – orientierung vermitteln. Michael Unterluggauer ist es wichtig klare Botschaften zu senden. Und das gelingt ihm mit seinen Bildern!
Seine Arbeit soll zum Nachdenken anregen, Denken über den Lebenssinn, Denken, was im Leben wichtig ist. So auch bei den Clownbildern, die ihm wichtig sind und eindeutige Botschaften übermitteln, frei nach Charlie Rivel: „Der Clown lebt in uns allen, und im Raum der Manege zeigt er unser Dasein, das Abenteuer des Lebens und unser innerstes Wesen." 

Alle Bilder haben eines gemeinsam: Sie transportieren Emotionen. Professor für Kunst- und Architekturgeschichte Lalo Srkarlovic bezeichnet ihn überhaupt als „grafischen Maler“.  

Seine künstlerischen Vorbilder sind in erster Linie Adolf Luchner, Schüler Kokoschkas, Antoni Tapies und in besonderer Weise Herbert Böckl.
Wie entstehen solche Bilder? Er überlegt sich die Grundfarbigkeit, geht zur Leinwand und durch unentwegtes Agieren und Reagieren nehmen die vielen Schichten Gestalt an. Die besten Arbeiten entstehen aus dem Bauch, aus dem Unbewussten. In gnädigen Stunden und Minuten hat er das Gefühl als Passagier, sozusagen von außen, seinen Händen zuzusehen, wie sie Farben und Formen wie von selbst suchen und finden.
Entscheidend für die Qualität der Arbeit ist für ihn nicht zuletzt der intuitive Punkt des Aufhörens, der „Geh-Punkt“, der im richtigen Moment stattfinden muss.
Wir als Betrachter können uns dann einlassen in die Kommunikation mit der Arbeit des Malers Michael Unterluggauer und, wie Paul Flora es einmal formuliert hat, „… wer viel schaut, der wird auch viel sehen“.

Michael Unterluggauer hat in seinem Leben viele Ausstellungen bestritten, in vielen Galerien. Ich freue mich, dass Sie heute hier sind und in Oberösterreich ihre Gemälde präsentieren.  „LET`S  GET 2GETHER“ steht als Motto dieser Ausstellung und, wie ich meine, überhaupt für sein Denken und seine Arbeit.

Geschätzte Besucher, nehmen Sie aus diesen Bildern Kraft, Spirit und Power mit für Ihr Leben! Danke, dass Sie den Weg hierher gefunden haben. Ich wünsche Ihnen heute alles erdenklich Gute, viel Spaß, gute Begegnungen und spannende Dialoge!

 

 

Andreas Strohhammer

Kurator Wissenschaft und Kunst


Michael Unterluggauer

 

Vor vier Jahren übersiedelte Michael Unterluggauer von Tirol nach Oberösterreich, wo er heute in Engerwitzdorf lebt und in seinem Atelier wirkt. Beinahe 40 Jahre unterrichtete er Bildnerische Erziehung als Hauptschullehrer und Volksschuldirektor. Mittlerweile hat sich Michael Unterluggauer als Maler in der österreichischen Kunstlandschaft etabliert. Seine malerischen und grafischen Techniken sind vielfältig: Acryl und Öl auf Leinen, Aquarelle und Federzeichnungen oder die druckgrafischen Techniken wie Radierung und Lithographie. Die künstlerischen Ausdrucksmittel sind meist ein Balanceakt zwischen abstrakter, gegenstandsloser und figurativer, gegenständlicher Malerei, deren Malprozess durch Stimmungen und Befindlichkeiten initiiert und intuitiv geleitet wird. Die starke Farbgebung und der dynamische, formgebende Duktus vermitteln einen visuellen Sinneseindruck, der dessen ganze Palette ausreizt. Dieses Spiel zwischen malerischen und grafischen Bildelementen beherrscht Michael Unterluggauer und macht seine Kunst unverkennbar.

Sein künstlerisches Vorbild, dessen Werke er gerne „in Besitz“ nimmt, ist der katalanische Maler Antoni Tàpies. Künstlerische Produktivität als existentielles Bedürfnis und das Verständnis für Kunst als Plädoyer für Demokratie, Meinungsfreiheit und Frieden gelten für beide Künstler. Das gegenwärtige Weltgeschehen führt uns das Scheitern im gegenseitigen Umgang – im Großen wie auch im Kleinen – vor Augen.

„Das Leben ist nichts anderes als eine Kettenreaktion von seelischen, körperlichen, geistigen Begegnungen im Sekundentakt, beginnend mit dem ersten Blick auf diese Welt und endend mit einem Erlebnis, das keine Wissenschaft noch wirklich durchschaut hat. Somit ist für mich klar, und das versuche ich auch in meinen Bildern seit jeher zu transportieren: Das augenblickliche Befinden des Menschen entspricht der Summe von Begegnungen unterschiedlicher Qualität und Intensität und den daraus resultierenden Erkenntnissen.“

Michael Unterluggauer bewahrt sich seine lebensbejahende Einstellung und verarbeitet seine Erkenntnisse in Bildern. Die OÖ Ärztekammer präsentiert einen Querschnitt seiner Arbeiten, die hoffentlich beim Betrachter eine positive Energie hinterlässt, die uns bereichert.

 

 



 

INTERVIEW MIT ROBERT HIPPACHER, ORF TIROL

 

R.H.: Rastlos ist Michael Unterluggauer auf der Suche nach Farben und Formen in seinen Werken. Bunte Flächen, mal abstrahiert, mal gegenständlich, aber  in seinem für ihn typischen Stil. Michael Unterluggauer zeigt das, was sich eigentlich nicht zeigen lässt.

  

U.M.: In der Fotografie, auch in der zeitgenössischen Fotografie, bildet  immer ein Objekt die Basis, das in der Wirklichkeit Platz findet. In der Malerei,  in der Bildhauerei, in der Musik – die in manchen Bereichen m.E. stark der bildenden Kunst ähnelt – wird nicht ein Bildnis, nicht ein Abbild geschaffen, sondern in meiner, in des Kunstschaffenden  Gedankenwelt Vorhandenes dargestellt. Und dieses Abbild der Gedankenwelt  hat keinen Platz in der Realität, dafür aber auf der Leinwand, in der Skulptur, im Musikstück.

  

R.H.: Seit 45 Jahren widmet sich der frühere Hauptschullehrer und Direktor der Malerei. Dass er ein Talent für die Kunst hat, hat Michael Unterluggauer an der Schultafel entdeckt.

  

U.M.: Ich kann mich noch genau an die Situation erinnern, wie ich verzweifelt versucht habe zwei Schülern die Rechtsregel zu erklären. Alle Mittel scheiterten, und so versuchte ich zeichnerisch das Problem zu lösen. Als ich dann das fertige Bild betrachtete, dachte ich bei mir: “ Das wirst doch nicht du gezeichnet haben?“  Und dieses Erlebnis war der erste Kontakt zum eigenen Tun.

 

 R.H.: Michael Unterluggauer aber ist kein Autodidakt, er ist stolz auf eine gediegene Ausbildung in der darstellenden Kunst. Sein Umgang mit Farben und Formen ist teils intuitiv, teils genau berechnet.

  

U.M.: Farbe wird spontan von mir eingesetzt, je nach Gefühlslage. Auf die Farbsymbolik wird immer gebaut und sie wird bewusst oder unbewusst verwendet, hinterher erkennt  man, dass man gar nicht anders handeln konnte, da die Anweisungen vom Inneren her kommen, und das lässt sich wiederum nicht planen.

  

R.H.: Der Mensch steht jetzt oft im Mittelpunkt seiner bildnerischen Darstellung, ob Akt, Mutter mit Kind oder Clown. „Wir sind das, was wir erlebt haben“,  sagt Michael Unterluggauer.

  

U.M.: Ich vermute, dass sich in mir so wie in allen Menschen dieses Planeten Prägungen aus der Kindheit, aus dem bisherigen Leben im Hinterkopf festsetzen. Diese Erfahrungen bilden dann die Grundlage der Lebensgestaltung.

 

"Künstlerische Produktivität als existentielles Bedürfnis und das Verständnis für Kunst als Plädoyer für Demokratie, Meinungsfreiheit und Frieden" Mag. A. Strohhammer, LENTOS



Mag. phil. Eleonora Bliem-Scolari -  Michael Unterluggauer: Die Intuition als treibende Kraft für seine Malerei

Es war kein seit frühester Kindheit ursächlich intentionsbedingtes Kunstwollen dafür ausschlaggebend, dass der 1953 in Lienz in Osttirol in eine Großfamilie geborene Kunstschaffende Michael Unterluggauer die Entscheidung fasste, der Malerei einen immanent wichtigen Anteil in seinem Leben zuzugestehen. Vielmehr entstand dieses Bedürfnis, sich heute mit voller spannungsgeladener Leidenschaft dem Malen hinzugeben, aus einer durch kontroversielle Erfahrungswerte gewachsenen Intuition heraus.

Noch während der vorrangigen Ausbildung zum Hauptschullehrer an der Pädagogischen Akademie in Innsbruck fanden die ersten produktiv umgesetzten Kontakte in dem Genre statt, die mit der bestätigenden Unterstützung seines damaligen Kunstprofessors Adolf Luchner rückblickend für die eigentliche Weiterentwicklung Unterluggauers zum Maler von Bedeutung sind. Kleinformatig angelegte Aquarelle und Arbeiten in Öl, in denen toskanische Landschaften, Stillleben und Personenstaffagen in subtil gewählter Gegenständlichkeit vorherrschen und bereits im Ansatz eine Abstrahierung erkennen lassen, gelten als bevorzugte Stilcharakteristika in Michael Unterluggauers ersten Jahrzehnten als Maler. Interessanter Weise fand erst Mitte der 1990er-Jahre durch den impulsgeladenen Kontakt mit dem extrovertierten Künstler Peter Mairinger jener Wechsel im Darstellungsprinzip statt, den wir insbesondere in den aktuellen Arbeiten in variablen Mustern wiederfinden können und die in Folge in der Öffentlichkeit kontinuierlich präsentiert werden. Das in der Grundtendenz expressiv gegenstandslose Bildsujet erfährt zum Teil mit organischen Strukturen, morphologischen Sequenzen und mit menschlichen Gestalten als tendenzielle Emotionsträger eine Wiederbelebung mit zuordenbaren Motiven. In diesem Sinn setzt der Kunstschaffende in seinen Arbeiten bevorzugt Mischtechniken ein, in denen neben Acrylfarben auch Öl und Aquarell als Grundkomponenten mit grafischen Akzenten kombiniert, bzw. mit unterschiedlichen Materialien als Collage angelegt werden. Auch eine ausgeprägt manipulierende Behandlung der Bildoberfläche während des Malprozesses, dem meistens eine Serie von Studien und Skizzen vorangehen, resultiert in Michael Unterluggauers Absicht, in seine Bilder impulsive Momentaufnahmen seiner Persönlichkeit mit einfließen zu lassen. Eine Reihe von Auftragsarbeiten, wie das Fassadengemälde für die Hauptschule in Nußdorf-Debant (2001) und die keramische Gestaltung einer privaten Brunnenanlage (2005) begleiten mit einer Anzahl von Präsentationen in Nord-, Ost- und Südtirol, in Salzburg, in Florenz und in Deutschland und geplanten Projekten in Wien, Frankfurt und Liechtenstein Michael Unterluggauers Weg als selbstbewusst motivierten Maler von intuitionsabhängigen Sequenzen.

 

  Mag. phil. Eleonora Bliem-Scolari (Kunsthistorikerin)

 

 

Geboren, um Spuren zu hinterlassen

 

Wenn ein Mensch sich in seine innerste Tiefe begibt, in eine Sphäre, die nur selten ans Tageslicht tritt, in einen Raum, der geheimnisvoll und verborgen darauf wartet, entdeckt, wach gekitzelt, auch quälend aufgerichtet zu werden, dann wird Kunst geboren.

 

Emotionsgeladen, schmerzend, sanft oder in extatischem Glücksgefühl können Werke entstehen, die eine neue Sprache sprechen. Diese grenzenlose Sprache ist es, die der Künstler Michael Unterluggauer in einer gewaltigen Perfektionalität spricht.

 

Die Entstehung seiner Werke gleicht der Geburt von Gedanken, Ideen, Emotionen. Schlicht und sprachlos werden von ihm Erfahrungen und Träume eindrucksvoll in Farben gekleidet. Beim Sehen des lebendig Gewordenen wird der Betrachter Zeuge vom Ausdruck der rücksichtlos offen gelegten Tiefe des Künstlers. Mut, De-mut, kindliche Echtheit und unergründliche Fantasie ermöglichen eine beinahe aggressive Aufforderung zur Teilnahme am Erlebnis, diese Tiefe zu spüren.

 

Unbarmherzig wird Zeit eingefordert, denn mit einem flüchtigen Blick, wohlwollenden Nicken und anerkennender Bewunderung gibt sich dieser Mann nicht zufrieden. Er will mehr, er will ein Rendezvouz, und sollte sich dieses auch über die Ewigkeit erstrecken. Er will Kampf, Liebe, ein Beben, das alles erschüttert. Nur dann kommt seine Botschaft an.

 

Die eingehende Betrachtung eines Werkes von Michael Unterluggauer lässt sich vergleichen mit einer Umarmung, die neugierig macht, aus der man sich nicht mehr lösen will, die man nie mehr vergisst und während  der man sich bereits nach mehr sehnt – nach dem allumfassenden Wissen und der reinsten Fähigkeit, leben zu lernen.

 

Nicht nur der Künstler selbst, sondern jede einzelne seiner Ausdrucksexplosionen sind tatsächlich geboren worden, um Spuren zu hinterlassen. Ein Geschenk an die Welt.

  

 

Maria Glinzner